Der Name auf der Torte soll eigentlich Kerstin heißen, die ist nämlich am Samstag 25 geworden. Aber die Zuckerbäcker vom New Orleans Cafe hatten so ihre Schwierigkeit mit dem Namen, so dass die Schokobombe nun an einen Menschen namens „Qrutschin“ oder so ähnlich adressiert war. „Qrutschin“ ist aber den ganzen Abend nicht aufgetaucht, so dass wir die Torte dann eben doch gegessen haben. Sie hat locker für die ganze Geburtstagsgesellschaft gereicht – etwa 15 Personen (ohne „Qrutschin“).
Drei Monate, 15 Freunde – wann das mal keine schlechte Ausbeute ist. Im Folgenden ein paar kurze Portraits, nur so als Eindruck über die Leute, mit denen man als Botschaftspraktikantin in Kathmandu so abhängt.
Um dem Spender der Torte die Ehre zu geben, beginnen wir mit Sudesh. Sudesh ist Mitte 30 und der Besitzer des New Orleans, eines der besten Restaurants in Thamel. Sudesh spricht perfekt Englisch, trotzdem kann die Kommunikation mit ihm etwas schwierig sein, z.B. dann, wenn er einfach mal nicht auf Fragen antwortet. Jeden Sonntag Abend spielt er Gitarre, beim „Live Fusion Jazz“. Er moderiert durch den Abend und begrüßt die Gäste, die er persönlich kennt, mit Namen. Das sind ungefähr zwei Drittel. Sudesh ist nicht verheiratet, keine Freundin. Wahrscheinlich, weil er an Frauen einen genauso hohen Anpruch stellt wie an die Qualität des Essens. Nur zwei andere Restaurants können es mit dem New Orleans aufnehmen, sagt Sudesh. Man möchte ihm fast zustimmen.
Mingmar kann nicht Gitarre spielen, hat aber dafür eine Reiseagentur und ein Auto, mit dem Sudesh und er durch die Gegend cruisen – und manchmal in Sanepa halten, um uns einzusammeln. Mingmar wohnt in der Nähe des Königspalasts, aber er will nicht zugeben, dass er mit dem ollen Monarchen auf Du steht – trotz wiederholter Unterstellungen unsererseits. Gerade baut Mingmar eine Software-Firma auf. Warum auch nicht, auf einem Bein kann man schließlich nicht stehen, geschweige denn laufen. Offenbar sind nepalesische Geschäftsleute nicht zufrieden, wenn sie nur ein Business haben. Mingmar ist auch nicht verheiratet, dabei finden wir, dass er ein super Familienvater wäre. Wahrscheinlich steht Mingmar eher auf westliche Frauen. Aber für die ist er einfach zu nett. LeserINNEN, ihr versteht, was ich meine.
Verlobt, aber noch nicht verheiratet, sind Wolfgang und Linda. Er arbeitet in der Registratur der Botschaft, will mit dem Rauchen aufhören und steht auf klassische Rockmusik. In seinem Garten gibt es einen Sai Baba Tempel. Morgens ist Wolfgang so muffelig, dass seine Akten gesprächiger sind. Sie arbeitet an der australischen Botschaft, ist demzufolge Australierin, verträgt Unmengen an Alkohol und hat einen 14jährigen Sohn, der zu ihrer Betrübnis mit tibetischen rich Kids abhängt und Unsinn abstellt. Bei einem Feuerzangenbowleabend im Januar haben Wolfgang und Linda ihre Verlobung verkündet. Seitdem laufen Wetten, ob sie „es“ nun tun werden oder nicht. Wolfgang wird in ein paar Wochen auf seinen neuen Posten in Uganda versetzt und Linda kommt mit. Hoffentlich.
Die Person, die Kerstin als erste gratuliert hat, war Rushmi. Da hatte sie schon einige Wodka intus, hat aber trotzdem noch kräftig mit uns reingefeiert. Rushmi röhrt mit einer rauchigen Rockstimme Freitagsabend in einer Bar. Sie spricht ein fast perfektes American English und will auch in den USA studieren. Bald. Irgendwo. Keine Ahnung was. Das wird ein super Visa-Interview… Rushmis Freund hat einen Shop für Autoteile. Die beiden trennen sich und kommen wieder zusammen in regelmäßigen Abständen. Und da wäre noch der Besitzer der Bar, der Rushmi unübersehbar anhimmelt, wenn sie singt. Auch ein heißer Kandiadat? Das klingt jetzt nach ARD-Vorabendprogramm, ich weiß. In den USA lernt Rushmi dann einen Dot.com-Milliardär kennen, der sein Vermögen in Nepal investiert und alles wird gut. Das klingt jetzt nach Hollywood.
Nun zur Abwechslung mal wieder was Deutsches. Thomas. Thomas ist ziemlich groß, für nepalesische Verhältnisse ist er ein Gigant. Schuhe muss er importieren oder anfertigen lassen. Thomas arbeitet für die GTZ und hat noch zwei Wochen, um seine Doktorarbeit fertig zu machen (Geographie, FU Berlin). Sein Vergleichsland zu Nepal ist „Mongo“, die Mongolei, wo er vorher war. Er wohnt quasi „umme Ecke“ von uns in einem Riesenhaus mit blauen Fensterläden und viel Terasse. Zum Glück wohnt er da nicht alleine, sondern mit seiner Freundin, Anja. Anja wartet auf einen Referendariatsplatz in Berlin und unterrichtet in der Zwischenzeit in Nepal. Ich finde, das sollten alle deutschen Lehrer mal machen.
Unterrichtet haben auch unsere Elefantenfreunde, Noortje und Bram aus Holland. Die beiden waren „Volunteers“, d.h. sie haben für mit ohne Geld kleine Nepalis unterrichtet. Bram hat für die Vermittlung des Platzes durch eine Agentur sogar 1300 Euro abgedrückt. Tse, diese Holländer. Noortje isst mit Vorliebe Joghurt mit Früchten (Diät) und geht shoppen, während Bram auch mal einen ganzen Tag im Kaffeehaus vertrödelt und gar nichts macht. Oder er sitzt in der Badewanne in seinem Lieblingshotel, raucht Zigarillos und sieht fern.
Dipesh werden wir ab dem 1. April (sein Geburtstag!) jeden Tag sehen. Er ist nämlich unser Guide für den Jomsom-Trek. Er hat alles organisiert, so dass wir nur noch hinter ihm her laufen müssen. Dipesh war mal Mr. Bakthapur (sein Heimatort), wie wir aus zuverlässiger Quelle wissen. Gut vorstellbar, mit seinen geölten glänzenden Haaren und schicken Kleidern. Er ist eher ein ernsthafter Typ und sehr zuverlässig. Ein Hund eben, so wie Kerstin und ich. Nach dem chinesischen Kalender haben wir nämlich alle drei das gleiche Sternzeichen (Jahrgang 1982, ab Februar). Drei Hunde on tour in den Bergen…das wird ein Hundsspaß, wau!
Der Mensch, der garantiert als letzter die Party verlässt, heißt Matthias. Er hat erst mit 22 angefangen, Alkohol zu trinken (sagt er) und kann vielleicht deswegen nicht wirklich aufhören. Matthias war vor zwei Jahren sechs Monate als Referendar an der Botschaft. Matthias ist unser Praktikanten-Kummerkasten, denn er weiß, wovon wir reden
. Und es hat ihm so gut in Nepal gefallen, dass er als fertiger Jurist zurückgekommen ist. Er ist jetzt Entwicklungshelfer beim DED (Deutscher Entwicklungsdienst) und gerade bei einer nepalesischen Familie zum Intensiv-Sprachkurs. Matthias’ bevorzugte Foto-Pose: der Denker.
Auf Nepals Schönheitsfront trat an diesem Abend Kabina für die weibliche Seite an, eine Freundin von Daniela, die Kabinas Bruder kennen gelernt hat, als beide in Doha auf das Flugzeug nach Kathmandu gewartet haben. Der Bruder war diesmal auch dabei, denn anständige nepalesische unverheiratete Mädchen gehen abends nicht einfach mal so alleine weg. Auch, wenn sie 29 sind. Kabina macht eigentlich nicht viel. Sie kümmert sich um ihre alte Großmutter und will Kleidung entwerfen und schneidern – irgendwann mal, vielleicht. Ihr Bruder ist in Deutschland. Sie möchte ihn gern besuchen, auch, weil sie einen Herzfehler hat, der in Deutschland besser operiert werden kann. Leider gibt es keine großen Hoffnungen auf ein Visum – zu jung, zu unverheiratet, zu arbeitslos, zu hübsch. Wir würden Kabina gerne mit Mingmar verkuppeln, aber leider hat er (noch) nicht angebissen.
Und nun die Gruppe derjenigen, die wir nur oberflächlich oder gar nicht kennen, die aber trotzdem da waren…
- ein Engländer (Joe, Jack, John?), Fotograf, seit vielen Jahren in Nepal. Er vermisst seine Heimat nicht, nur das englische Bier. Ihr wisst schon, ohne Kohlensäure, Zimmertemperatur.
- Deepak, in dessen Hotel in Dulikhel wir auf der Fahrradtour übernachtet haben. Komischer Typ, ist gleich wieder gegangen.
- Ann, Belgierin, hatte am gleichen Tag Geburtstag. Auf der Suche nach einem großen Nepali. Viel Erfolg…
…und diejenigen, die abwesend waren und mehr oder weniger vermisst wurden.
- Ranjit: ist immer noch im Hyatt
- Deepak: netter Trekkingladenbesitzer, der einen 12jährigen Rikschafahrer bei sich aufgenommen hat und ihm die Schulausbildung bezahlt. Deepak verkauft uns seine Sachen zum Nepali Price, was sehr freundlich von ihm ist. Leider war Deepak an dem Abend krank.
- Shree: haben halb mit seinem plötzlichen Auftreten gerechnet. Aber er ist wohl doch lieber in Spanien geblieben, auch wenn es hier inzwischen wohl genauso warm ist wie dort.
- Daniela: wurde schmerzlich vermisst, das professionelle Geburtstagsständchen hätte den Abend perfekt gemacht
- „Qrutschin“: kennen wir nicht, aber wir haben seine/ihre Torte gegessen