Wenn ich mal ein Haus baue, dann soll es aus weissem Mamor sein. Mit mehrfarbigen Einlegarbeiten aus Halbedelsteinen. Und vier eleganten Minaretten drumherum. Ach ja, die grosse Kuppel oben drauf darf natuerlich nicht fehlen. Kostenpunkt: 80 Millionen Dollar. Pfffff….und der Traum zerplatzt.
Dabei haette ich so gerne mein eigenen Taj Mahal. Es ist aber auch einfach zu schoen. Waehrend unseres gesamten Aufenthalts in Agra haben wir das Taj wie hypnotisiert angestarrt, haben mit Taj-Blick gefruehstueckt und zu Abend gegessen, haben ohne mit der Wimper zu zucken 100 Rs mehr fuer einen Raum mit Taj-Blick bezahlt, damit wir schon morgens beim Zaehneputzen unserer neuen Lieblingsbeschaeftigung nachgehen konnten. Das Taj macht suechtig. Ich frage mich, ob man bei einem laengeren Aufenthalt Genickstarre bekommt.
Auch wenn es sich das kitschig anhoert, muss ich einfach mal sagen, dass das Taj Mahal in Agra locker das schoenste Gebaeude ist, dass ich je gesehen habe. Die wohl treffenste und sentimentalste Beschreibung, in jeden Reisefueher zu finden, stammt von dem indischen Dichter Rabindranath Tagore: „eine Traene auf dem Antlitz der Ewigkeit“ Wenn man davor steht, klingt das gar nicht mehr uebertrieben. Das Taj ist einfach perfekt. Die Proportionen, das Spiel mit Formen und Mustern, simpel und gleichzeitig genial verschachtelt. Das gesamte Gebaeude steht auf einem grossen Podest (100m x 100m), so dass man hinter dem Taj nur den Himmel sieht und sonst nichts. Der weisse Mamor leuchtet in der Sonne, dass es blendet, im Abendlicht hat er zuerst eine cremige, dann eine blaeuliche Farbe.
Nur der knurrende Magen hat uns davon abgehalten, bis zum Schluss zu bleiben. Natuerlich hatten wir nichts zum Essen dabei, im Gegensatz zu den indischen Grossfamilien, die ungeniert mit ihren Chapati-Tonnen durch den Garten schlenderten. Und die uns alle mit auf ihren Familienfotos haben wollten. Das mache ich auch mit dem naechstbesten Inder, den ich am Brandenburger Tor sehe. Anschliessend zerre ich ihn in den Souveniorshop meines Bruders/Vaters/Cousins – „very cheap price, sir!“.
Das besondere am Taj Mahal ist, dass es keinen Zweck erfuellt. Es ist einfach nur da und ist schoen. Gebaut wurde es 1631 bis 1648 von Grossmogul Shah Jahan als Grabmahl fuer seine zweite Ehefrau, Mumtaz Mahal. Als diese nach der Geburt des gemeinsamen 14. Kindes starb, war Shah Jahan so traurig, dass er sich nur mit dem Klischee zu helfen wusste, ueber Nacht zu ergrauen. Und eben das Taj Mahal zu errichten. 20.000 haben daran gearbeitet. Wahrscheinlich ging es dabei nicht wirklich um den Schmerz ueber den Verlust einer grossen Liebe. Shah Jahan hatte einfach nur ein verdammt grosses Ego.
Ich hab kein so grosses Ego. Und nicht die entsprechenden Mittel. Dann eben kein weisser Mamor mit Halbedelsteinen. Vielleicht einen Gipsabguss fuer den Garten oder so.






