Archiv für März 20, 2007

The Art of Bandha

BandhUm es einfach mal gesagt zu haben: manchmal spinnen sie, die Nepalesen. Vor allem, wenn sie streiken, einen Bandh abhalten. Das machen sie in letzter Zeit immer häufiger. Bei einem Bandh ist immer irgendetwas geschlossen, das ist auch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes. Bandhs werden angekündigt oder treten spontan auf, aus ganz unterschiedlichen Günden. Machmal weiß auch einfach niemand, warum eigentlich gestreikt wird. Aber es fahren auf einmal keine Taxis und Busse mehr und auf den Straßen hängen Jugendliche ab, die mit Steinen und Stöcken rumfuchteln. Früher oder später zündet jemand Autoreifen an, denn das erregt Aufmerksamkeit und sieht gefährlich aus. Und erhöht das Krebsrisiko der Umstehenden um 100%.

Heute ist Bandh, weil die Maoisten einen Hotelier verprügelt haben, der seine Erpressungssumme nicht zahlen wollte. In Reaktion darauf hat die „Business community“, vertreten durch die Federation of Nepalese Chamber of Commerce and Industries (FNCCI) aus Protest einen unbefristeten Bandh erklärt. Infolgedessen wird heute in den Fabriken nichts produziert, in den Schulen wird nichts gelernt und auf den Straßen fahran kaum Autos. Ab und an fällt das Internet aus, das gehört angeblich auch zum Bandh.

Letzte Woche war ein lokaler Bandh, weil an einer Kreuzung in der Nähe der Botschaft ein Kind überfahren worden ist. Reaktion: Autoreifen anzünden und Stress schieben. Das macht das Kind aber auch nicht wieder lebendig. ImTerai, im Süden, ist auch wieder bzw. immer noch irgendwas los, jedenfalls gibt es wieder kein Benzin.

Manchmal gibt es auch einen Bandh gegen den Bandh. Einsichtige Nepalis geben zu, dass Bhands eigentlich ganz schön nerven können und nicht unerheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten, vor allem, wenn der Streik mehrere Tage oder Wochen andauert. Und wie bringt man seine Kritik am Bandh am besten zum Ausdruck? Na klar, mit einem Bandh! Der oberste Gerichtshof in Indien hat Bandhs schlicht und einfach verboten, weil sie den Alltagsablauf in erheblichem Ausmaß stören – anders als etwa eine normale Demo. Aber in Nepal gibt es keinen Obersten Gerichtshof, zumindest keinen mit genug Autorität und Glaubwürdigkeit. Zumindest nicht, bevor nicht gewählt wurde. Und bis dahin wird Wahlkampf betrieben – mittels Bandh.

Und dann gibt es noch die Fälle, von denen man nicht weiß, ob es sich um einen Bhand oder einfach nur um Normalität handelt. Zum Beispiel die 6 Stunden Stromausfall am Tag, im April sollen es 12 werden. Oder die Wasserversorgung. Roshana steht momentan immer mitten in der Nacht auf, weil die Wassergesellschaft behauptet, sie würde um 3 Uhr Wasser ins System pumpen. Und weil Roshanas elektrische Pumpe zu schwach ist, muss sie das per Hand machen – wie die meisten Nachbarn auch. Um drei Uhr gehen also überall die Lichter an und alle sind bereit. Und was kommt nicht? Natürlich, das Wasser. Ist das nun einfach gemein? Oder ein Zufall? Oder gar ein Bandh? In Nepal kann man nie wissen…

Bandhs können auch ansteckend sein. Ein Botschafts-Bandh wird in den Mittagspausen mit glänzenden Augen diskutiert, vor allem wenn die Sonne scheint. Warum sollen alle in Kathmandu in der Sonne auf nahezu verkehrsfreien Straßen schlendern und Eiscreme schlecken, während wir in der Botschaft sitzen und Akten stemmen? Ach ja, Beamte dürfen ja nicht streiken, schade. Aber Praktikanten, oder?

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