Archiv für Januar, 2007

Business Proposal

Gestern hat Roshana Kerstin, Daniela und mir gezeigt, wie man Momos macht. Bei Kerzenlicht natürlich (stromausfall). Wir waren nicht untalentiert, wie wir nicht ohne Stolz feststellten, als auch der 25. Momo problemlos den Weg in unseren Magen fand. Jetzt sind wir nicht nur um eine kulinarischen Erfahrung reicher, sondern haben auch einen total realistischen Plan für die Zukunft: Wir eröffnen eine Momo-Restaurant in Berlin. Daniela schreibt schon an einem Business-Proposal an ihren reichen Onkel. Im Idealfall haben wir uns das so vorgestellt:

1. Wir kaufen ein geiles Haus in Berlin (Prenzlberg oder so)
2. Wir importieren 10 talentierte Nepalis als Momo-Köche. Die Connections zur Visa-Sektion der hiesigen Botschaft haben wir ja
3. Daniela und ich machen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vom Büro im 1. Stock
4. Kerstin wird Diplomatin, kommt aber in ihrer Freizeit zum Tanzen in das Momo Restaurant. Außerem verzaubert sie alle neaplischen Männer, so dass immer mehr bei uns arbeiten wollen
5. Wir werden reich und berühmt.

Gut, oder? Erste Schritte werden wir bald einleiten, zum Beispiel hier in Kathmandu ins „Belle Momo“ gehen und die Speisekarte kopieren, nur so zur Inspiration. Nicht, dass wir keine eigenen Ideen hätten:

Nationalitäten-Momos:
- Lasagne- oder Spagetti oder Pizza-Momos (für Italiener)
- Chili con Carne-Momos (für Spamier/Südamerikaner)
- Sauerkraut-Momos (für Deutsche)
- Baked-Bean-Momos (für Engländer)
- Momo-Döner (für Türken/Berliner)

Süße Momos:
- Apfel-Rosinen-Momos
- Grießbrei-Momos
- Schokoladen-Momos
- Lebkuchen-Momos (zur Weihnachtszeit)

Perverse/gemeine Momos:
- Weingummi-Momos
- Leere Momos
- Chili-Momos (nur Chillis!)
- Hasch-Momos
- Helmut-Kohl-Momos (gefüllter Saumagen)

….

Fühlt sich jemand an Forrest Gump erinnert…? ;-) Also, wenn jemand einsteigen will, wir suchen noch Investoren! Berliner können schon mal die Konkurrenz (und Momos) testen, und zwar im Buddha Haus. Gudn Abbo, wie der Hesse sagt…

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Sun Watching

Sun Watching

Sonnenaufgänge sind romantisch. Normalerweise. Eine Ausnahme habe ich am Sonntagmorgen von 6.30 bis 7.15 Uhr erlebt. Und das kam so: Wir (d.h. Kerstin und ich) sind mit zwei Freunden, Mingmar und Shree, am Samstag nach Nargakot gefahren. Nagarkot liegt etwa 35km von Kathmandu entfernt, auf einer Höhe von knapp 2200m. Wenn es keine Touristen gäbe, gäbe es da oben auch nichts außer ein paar Bauern mit ihren Ziegen. Weil aber Nagarkot berühmt ist für seine Sonnenaufgänge und ein umwerfendes Himalaya-Panorama, sitzen jetzt jede Menge Hostels, Cottages, Guest Houses, Wellness- und Hellness Clubs wie die Maden im Speck in den Pinienwäldchen auf den Hügeln. Unsere Made war das Club Himalaya Nagarkot Resort, ein besonders fettes Exemplar mit Edel-Restaurant, Swimming-Pool, Sauna und allen Schikanen. Eigentlich wollten wir in ein einfaches Cottage, hatten sogar Schlafsäcke dabei. Aber Mingmar und Shree, ersterer Inhaber einer Trekking-Agentur, letzterer erfolgreicher Weltenbummler und Modehändler mit Shop in Amsterdam, wollten uns was Gutes tun und haben uns in besagte Luxushütte eingeladen. Nach ausgiebiger Schlemmerei, einem lustigen Abend in der Hotel-Bar und einer erholsamen Nacht in warmen Betten mit Kissen, die anstelle von Beton mit etwas Weichem gefüllt waren, kamen wir an die Reihe mit unserem ganz persönlichen Sonnenaufgang in Nagarkot. Geteilte Freude ist doppelte Freude? Vielleicht nicht bei einem Sonnenaufgang. Und auch nicht, wenn die Teilnehmer 10 Japaner mit Stativkamaera sind. Und schon gar nicht, wenn eine deutsche Reisegruppe auf der Terasse herumturnt und einen mit unsäglichen Schlauheiten quält. Wie etwa:

Sie: Im Osten geht die Sonne auf…wo ist denn jetzt Osten? [Bemerkung: die Sonne leuchtete schon ziemlich auffällig hinter einer Bergspitze]

Er: Hm, warte mal…[dreht sich im Kreis]…ah, Augenblick. [krempelt seinen Thermojacken-Ärmel hoch und enthüllt eine High-Tech-Uhr von der Größe eines Tischtennisballs und fängt an zu tippen...dreht sich eine Weile hin und her]

Er: Da ist Osten! [zeigt triumphierend auf die aufgehende Sonne]

Sie: Ah, okay, danke!

Ich: Grmpf!! [versucht, nicht brüllend los zu lachen]

Menschen sind schon komisch. Die Japaner hatten auch Mundschutz dabei. Wegen der Luftverschmutzung, ihr wisst schon. Von den vielen Autos in 2200m Höhe, die alle über die Dachterrasse des Club Himalaya Resort donnerten. Um 6 Uhr morgens. War übrigens trotzdem ziemlich ramro (schön), wie so langsam der Himalaya aus dem Nebel auftauchte und die Sonne die weißen Spitzen golden färbte.

Das nächste Mal möchte ich aber lieber frierend in meinem Schlafsack auf dem Balkon einer Hütte den Sonnenaufgang anstaunen. Und danach im Club Himalaya frühstücken gehen…*g

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Hitlist…für Insider

30 Anzeichen, dass Du schon viel zu lange in Kathmandu/Nepal bist:

  1. Du bist unglaublich busy, vor allem samstags.
  2. Du denkst „going out in Thamel“ montagsabends is fine.
  3. Du isst Daal Bhat zum Frühstück.
  4. Du läufst auf der Strasse mit Decken um Hüften und Kopf herum.
  5. Du hast absolut kein Gefühl für Verkehrsregeln.
  6. Du beginnst, große Fahrzeuge mit Deinem Fahrrad zu schneiden.
  7. Du lässt Dir einen langen Fingernagel wachsen um zu zeigen, dass Du nicht mehr körperlich arbeiten musst.
  8. Du wunderst Dich, warum Deine Freunde zu Hause nicht jede Woche 10 DVDs kaufen.
  9. Du findest, Heizungen sind überflüssige Luxusgüter.
  10. Du schüttelst mit dem Kopf, wenn Du etwas bejahen willst.
  11. Du findest fünf Stunden Strom am Tag sind völlig ausreichend.
  12. Du thematisierst offen und auch in großer Runde den Zustand Deiner Verdauung.
  13. Luftverschmutzung … welche Luftverschmutzung?
  14. Du denkst „going out in Thamel“ dienstagsabends is fine.
  15. Wenn Du wütend oder gelangweilt bist, kannst Du nicht anders, als irgendetwas anzuzünden.
  16. Du bittest westliche Touristen um ein gemeinsames Foto.
  17. Du stehst immer und überall im Weg rum.
  18. Du findest Addressen überflüssig.
  19. Du kannst nicht gehen, ohne jemandem Deine Business Card gegeben zu haben.
  20. Du denkst „going out in Thamel“ mittwochsabends is fine.
  21. Du wirfst Deinen Müll in den Vorgarten Deiner Nachbarn.
  22. Du hast das unstillbare Verlangen, Menschen Tigerbalsam, Rikschafahrten oder Haschisch anzubieten.
  23. Du findest es völlig normal, fünfmal am Tag ein Taxi zu nehmen.
  24. Du kannst ohne drei Decken nicht mehr schlafen.
  25. Du bist so busy, dass Du Donnerstag Abend mal zu Hause bleibst
  26. Du findest Tee für mehr als 30 Cent unverschämt teuer.
  27. Du weißt immer, was Du freitagabends machst: „going out in Thamel“
  28. Du kaufst Dir Withening Cream, um so richtig schön blass auszusehen.
  29. Du meckerst Deine nicht-Nepali Freunde an, weil sie so schlecht Gitarre spielen.
  30. Du verstehst alle oben aufgeführten Anspielungen.

M.d.f.B.u.K.u.W. = mit der freundlichen Bitte um Kenntnisnahme und Weiterleitung

Grüße von der Botschaftspraktikantin ;-) . Bei uns ist Freitag und Wochenende, bei euch auch?

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Chakka Jam

Abgefackelte Busse

Heute morgen wurden wir vom weißen Botschaftsmercedes abgeholt. Der Grund: Die Federation of Nepalese Transport Entrepreneurs (FNTE) hat landesweit einen zeitlich unbefristeten Streik (Chakka Jam) ausgerufen. Seit Sonntag fahren keine Busse, keine Tempos (Dreiräder) und kaum Taxis. Motorrad- und Rikshawfahrer sind im Augenblick king of the roads. Wer den Streik bricht, wird angepöbelt und bedroht. Auch Privatautos kann das passieren. Für Fußgänger und Touris ist das zwar nicht so schlimm, denn durch den Streik reduziert sich der Gefahr- und Stressfaktor auf der Straße erheblich, aber für alle, die auf den Transport angewiesen sind, ist so ein Chakka Jam natürlich sehr störend und bedeutet Einkommensausfall. In einigen Regionen gibt es bereits Schwierigkeiten mit der Nahrungsmittelversorgung.

Warum wird überhaupt gestreikt? Die Erklärung führt mal wieder direkt in den politischen und sozialen Problemknoten dieses Landes, den man wohl nicht so einfach durchhauen kann, schon gar nicht mit einer neuen Verfassung.

In Sihara, einem Bezirk an der indischen Grenze im Süden, wurde bei einer Demonstration des Madheshi People’s Right Forum am Freitag ein 16jähriger Demonstrant (Ramesh Mahato) erschossen, vermutlich von Maoisten. Die Madeshis sind eine Volksgruppe, hauptsächlich im Terai ansässig, dem wirtschaftlich wichtigsten Landesteil. Ihnen passt die neue Übergangsverfassung nicht, weil sie ihrer Meinung nach nicht genug auf die Rechte von Minderheiten eingeht und das Wahlrecht lokale Gruppen diskriminiert. Eigentlich hätten die Madeshis sowieso lieber ihren eigenen Staat.

Ramesh Mahato wurde also erschossen. Darufhin haben aufgebrachte Demonstranten erstmal mehrere Busse, Autos und Büros angezündet (Foto: www.eKantipur.com). Das heißt hier torching, also „abfackeln“. Diese Form des Protests, multibel anwendbar bei jeder Art von Forderung, ist in Nepal ziemlich verbreitet. Sie ist eine Form der Hilflosigkeit gegenüber einem Staat, der seine Bürger in der Vergangenheit meistens mit ihren Problemen allein gelassen hat. Nur: diese Art des Protests verstärkt natürlich nur die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten. Der Transportstreik jedenfalls ist eine Form des Protests gegen den Protest. Die FNTE will Kompensation für die angezündeten Fahrzeuge (von wem?) und mehr Sicherheit für Passagiere und Angestellte.

Wir werden wohl auch nach der Arbeit wieder mit dem Botschaftswagen nach Hause gebracht. Hoffentlich dauert dieser Streik nicht mehr lange, denn dadurch fallen so ziemlich alle Aktivitäten flach, die man sich für abends so ausdenken kann. Dann bleibt einem nichts anderes übrig, als eingewickelt in Decken und mit ausreichend Lesestoff versorgt der Kälte und der Langeweile zu trotzen…Wenn das so weiter geht, dann torche ich auch mal irgendwas, nur, um meinen Protest gegen den Protest gegen den Protest auf landestypische Art und Weise zum Ausdruck zu bringen.

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Here comes the storm…




Heizpilz

Originally uploaded by VonwegenWeisheit.

Mensch, haltet euch bloß fest, ja? Hier schon mal ein paar Tipps aus Nepal, sollte die Heizung und der Strom ausfallen:

* Bei Kerzenlicht zusammensitzen und viel Teetrinken. Wer keinen Gaskocher hat, hat Pech gehabt.
* Bei Problemen die eigenen Körpertemperatur betreffend: soviel Reis essen, bis nix mehr reingeht, das bringt die nötige Energie
* Für Computersüchtige: sparsam mit dem Akku umgehen, man weiß nie, wann der Strom wieder kommt
* Soviel Zeit im Bett verbringen, wie nur irgendwie möglich. Zum Schlafen braucht man keinen Strom. Dabei auf temperaturgereche Kleidung, z.B. Skiunterwäsche und Thermosocken achten
* Von Zeit zu Zeit Nase massieren, bis sie wieder spürbar ist
* Wer es schnell hinter sich bringen will: ganz viel Wein trinken und sofort einschlafen, klappt garantiert

Mit Sturmerfahrung kann ich leider nicht dienen. In Nepal ist es meistens windstill, glücklicherweise.

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Kommet in Scharen…

Nepal ist sicher, sagt Reinhold Messner. Deutsche, reist nach Nepal, sagt Reinhold Messner. 2004 kamen 16.025 Deutsche nach Nepal. 1994 waren es schon mal 44.530. Die Urlaubswünsche anderer Nationen haben sich ähnlich entwickelt. Für Nepal ist das besonders hart, denn das Geld, das die Touristen ins Land bringen, entspricht etwa 30 Prozent der Gesamtdevisen. Wander- und Kulturfreunde, Trekker, Esoteriker, Naturverbundene  und psychisch Instabile bringen damit eine größere Einnahmequelle als der gesamte Exporthandel. Wem sollten die Deutschen sonst glauben, wenn nicht Reinhold Messner?

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