„Die Argumente gegen München sind seit Jahrzehnten gleich und wahr und laufen doch ins Leere. Millionendorf? Natürlich. Die Münchener wissen selbst am besten, dass sich in ihrer Stadt keine fünf Plätze finden, an denen man sich in einer Metropole fühlt. Dass die U-Bahnen pünktlich fahren und weitgehend Graffiti-frei sind, wird in München nicht als reaktionär oder zumindest verdächtig wahrgenommen [...]. München braucht kein Wetteifern mit wahren Weltstädten, denn es ist sich selbst genug. In München hat man das angenehme Gefühl, nichts zu verpassen. Eben weil alle hier alles verpassen. Mit der Gabe, Langeweile in Gemütlichkeit zu verwandeln, fällt es den Münchenern leicht, auch am hellen Tag einmal die Augen zu schließen und zu träumen. Wo gibt es das sonst noch in diesem Land? [...] Münchens unverkrampfte Liebe zu sich selbst lässt sich jederzeit und überall in der Stadt bestaunen. [...] Fremde können kau glauben, dass diese Folklore nicht ausschließlich für japanische Touristen veranstaltet wird, die durch die Altsadt irren, auf der Suche nach dem Hofbräuhaus. Oder für die Amerikaner, die auf ungewohnten Fahrrädern durch den englischen Garten schlenkern, oder die Hannoveraner Ehepaare, die sich bei Loden-Frey mit Hornknopfjackett und rosafarbenem Dirndl eindecken, weil aus ihrer nördlichen Perspektive München und das im Süden angrenzende Alpenpanorama doch eigentlich die schönste Projektionsfläche der deutschen Sehnsüchte bildet: unbefangen, fröhlich und großzügig in der Moral, schlagfertig, trinkfest und in der Gewissheit ruhend, dass das Eigene das Wahre ist. Sind sie nicht so, die Münchener? Und wer will nicht auch so sein? Das weiche Sowohl-als-auch, das gern mit der räumlichen Nähe zu Italien erklärt wird, ist doch viel smpathischer als das harte Entweder-oder, das in vielen Städten und Regionen Deutschlands das Denken und das Handeln prägt. [...] Die Stadt versteht es blendend, das Bayerische im liberalem Sinne zu verfremden und Fremde zu vermünchenern – zum Beispiel zugereiste Anwälte, die von einem Tag auf den anderen ihr „Guten Tag“ gegen das „Grüß Gott“ austauschen und ihre Zuneigung für eine glücklose Fußballmannschaft aus Frankfurt gegen eine erfolgssichernde Jahreskarte des FC Bayern hergeben. [...] Wie keine andere Stadt versteht es ausgerechnet das grantlerische München, die Zugereisten an sein sprichwörtliches Herz zu drücken. Und die meisten nehmen die bierselige Einladung bedenkenllos an, werden dicker und glücklicher im Laufe der Jahre. Ihr Verhältnis zur Stadt gerät mit der Zeit zu einem psychologischen Perpetuum mobile, zu einer sich selbst antreibenden Zuneigung: Das Liebenswerteste an München ist, dass die Münchener München so sehr lieben.“ (aus: „Passt scho!“von Timm Klotzek, GEO Special München, April/Mai 2003, S.26-28.)
OK, zugegeben, etwas übertrieben, aber irgendwie scheint da was Wahres dran zu sein. Ich werd’s überprüfen…